U-Bootprojekt der DDR

#1 von Matrose , 05.04.2016 08:29

Das U-Bootprojekt der DDR war ein gehütetes Geheimnis und stellt eine kurze Episode der Volksmarine dar. Die U-Boote sollten vorerst an Seite der Sowjetflotte in der Ostsee operieren.

Bereits 1952 hat man damit begonnen in Saßnitz-Dwasieden eine Sonderdienststelle zur Ausbildung von U-Bootbesatzungen zu errichten. Als Ausbilder wurden erfahrene U-Bootfahrer, überwiegend bestehend aus Unteroffizieren der Kriegsmarine, zusammengezogen und für ihre Rolle als Ausbilder vorbereitet.
Zudem wurde ein sowjetischer Beraterstab, ebenfalls aus U-Bootfahrern bestehend, zur direkten Unterstützung der Ausbildung herbeigezogen. Im November/Dezember 1952 wurden die ersten Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, nur aus Freiwilligen bestehend, an die Unterseeboots Lehranstalt, oder auch 1. ULA versetzt.

Geplanter U-Bootbestand:

- 5x VII C
- 2x Typ M Serie XV (Maljukti) sowie
- U 1308 (Typ VII C/41) + U 2344 (Typ XXIII), die gehoben worden waren

Im Sommer 1953 sollten die fünf ehemalige deutsche U-Boote vom Typ VII C und zwei sowjetische Küsten-U-Boote des Typs M Serie XV durch die sowjetischen Flotte übergeben werden. Letzteres war ein Standart-U-Boottyp der sowjetischen Flotte, der ab 1935 in Produktion ging. Auch wurden die beiden U-Boote der Kriegsmarine U1308 und U2344 gehoben, jedoch nach dem Scheitern des Projekts verschrottet.
Ab Mitte 1952 begann man damit den Südteil des Saßnitzer Hafens als U-Bootstützpunkt auszubauen. Obwohl die Sowjetunion auf eine U-Bootflotte der DDR bestand, wurde das Projekt aus finanziellen Gründen abgebrochen. Die UDSSR wünschte sich bis zum Zusammenbruch eine U-Bootflotte der DDR.

Marschall Malinowski war der Meinung: "Die Deutschen sind Pioniere des U-Bootbaues und sollten ihren Beitrag im Interesse des gesamten sozialistischen Lagers leisten."
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Aus der Märkischen Allgemeinen:
die unterkünfte der künftigen u-bootmänner befanden sich auf dem gelände der artillerieschule der kriegsmarine in saßnitz-dwasieden.

fast 500 freiwillige begannen am 4.januar 1953 die ausbildung.

zeitgleich planten die sowjets den bau einer eigenen marinebasis im großen jasmunder bodden.

rund 20 000 arbeiter und häftlinge begannen bereits mit dem durchstichdurch die landzunge schaabe bei glowe zum offenen meer.

im schiffbauplan „zeuthen“ war für die jahre 1954-1956 der bau von 14 u-booten des
deutschen weltkriegstyps VII C-14 in ddr-werften vorgesehen.

nach den unruhen im juni 53 platzte dieses irrsinnige rüstungsprojekt.

zum 1. august wurden das personal auf andere dienststellen verteilt.

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#2 von Arkona ( gelöscht ) , 05.04.2016 08:33

Dies ist im Heft 6, 120 Seiten, 1998, "Auf Kurs zur Marine" des Marinemuseums Dänholm gut beschrieben.

Vom gesamten 'Rügenprojekt' gibt es eine Karte darin (also auch vom Werftprojekt am Jasmunder Bodden und dem Durchstich), Auf Seite 42 ist ein Faksimilie des 'Ablaufplan der U-Bootfertigung auf der Volkswerft Stralsund' von 1953 bis 1956 abgebildet. Der Plan umfasst für diesen Zeitraum den Bau von 14 Booten. Der Volkswerft Stralsund wurde ein gehobenes U-Boot zur Rekonstruktion übergeben. Dieses und ein Weiteres wurde auch zur Ausbildung an der Basis Dwasieden benutzt. Am 05.01.1953 wurde die U-Boot-Lehranstalt der VP-See in Dwasieden eröffnet.

Bei Bedarf kann ich aus dem Heft etwas posten, nur jetzt nicht.

http://marinemuseum-daenholm.beepworld.de/schriftenreihe.htm

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#3 von Maik , 05.04.2016 08:34

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#4 von Dietmar , 05.04.2016 08:36

Die Hälfte davon hat sich wohl der Redakteur vom SPIEGEL ausgedacht. Also Düsenjägerflugplätze und U-Bootstollen ....

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#5 von Lotse , 05.04.2016 08:37

Dazu auch ein Wikipedia Beitrag:

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCgenhafen

und hier ein Link auf ein Forum mit Fotos von Resten des Kanals.

http://www.zweiter-weltkrieg-lexikon.de/...c.php?f=4&t=803

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#6 von Gregor , 05.04.2016 08:38

In der Liste im Link sind auch U.Bootbunker für Rügen eingearbeitet:

http://www.geheimprojekte.org/UBoote/bunker.htm

 
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RE: U-Bootprojekt der DDR

#7 von Enderlein , 05.04.2016 08:40

Hier war der Durchstich bei Glowe, das sind Reste davon »

http://maps.google.de/maps?q=54.563068,1...&num=1&t=h&z=17

Er war im Prinzip fertig, aber nicht auf voller geplanter Breite und der letzte 'Stich' fehlte. Der Hauptteil mit Abbraumbaggern aus dem Braunkohlebergbau gebaut. Alles ist fotographisch dokumentiert. Sowohl die Mole in Glowe, als auch die Arbeits-Lager östlich vom Kanal. Teile des alten Arbeitslager wurden später von der VM, konkret deren 6. Flottille im Objekt Bobbin weitergenutzt (PF 25041).

Wenn man dem Kanal zum Jasmunder Bodden folgt sind Ausbaggerungen für Becken als auch Betonfundamente für geplante (Trocken?-)Docks erkennbar. Auch die sind beschrieben. Aber keine U-Boot-Tunnel ;)

Übrigens war ein zweiter Durchstich im weiteren südlichen Verlauf und zwar nördlich von Prora geplant. Auch dort sind begonnene Baggerungen erkennbar.

 
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RE: U-Bootprojekt der DDR

#8 von Samsung , 05.04.2016 08:41

ehrlich gesagt, ohne den 17. Juni 53 und den damit verbundenen Korrekturen im Aufbau der Streitkräfte und der Wirtschaft hätte die BRD die DDR bereits viel früher zum Fraß´bekommen-- als DDR Insolvenzmasse.

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#9 von Rhönelch , 05.04.2016 08:43

Als Einwurf » wenn man das auch im von mir zitierten Heft sich in Ruhe zu Gemüte führt, hat es erstmal wenig mit dem 17.Juni zu tun. Die Entscheidungen dazu (in dem Fall für Aufgabe des Projektes) wurden klar davor, aber eben im Jahr 1953 getroffen.

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#10 von Holzfäller ( gelöscht ) , 05.04.2016 08:44

Wenn vorher das Aus des Projektes beschlossen wurde, wir kann die Baustelle ein Streikschwerpunkt werden ?

Holzfäller

RE: U-Bootprojekt der DDR

#11 von Nordisk , 05.04.2016 08:46

Ja, das ist eine sehr gute Frage

 
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RE: U-Bootprojekt der DDR

#12 von Bauleiter ( gelöscht ) , 05.04.2016 08:47

Gäbe aber auch die Variante, dass heutzutage zuviel erkämpfte Erfolge des 17. Juni einfach auf frühere Zeiten umgedeutet werden.
Zwar gab es vor dem 17. Juni bereits Beschlüsse zu Veränderungen in den künftigen Streitkräfte und im Wirtschaftssektor. Gerade zum Bauprojekt sehe ich nur eine Reduzierung aber keine Aufgabe des Projektes

Bauleiter

RE: U-Bootprojekt der DDR

#13 von Morgenröte , 05.04.2016 08:52

Tatsächlich gab es ab Frühjahr 1952 die ersten Pläne der damaligen Führung der DDR, dies in Absprache mit der sowjetischen Führung, im Rahmen des weiteren Aufbaus von umfangreichen Streitkräften der DDR u.a. auch einen "U-Boot-Dienst" zu schaffen. Anfang Mai 1952 wurde im "Planvorschlag für die Entwicklung der Seepolizei der DDR für die Jahre 1952/ 1955" festgelegt, u.a. insgesamt 13 U-Boote bis 1955 zu beschaffen und hierfür die notwendige Ausbildungsorganisation und Stützpunkt-Infrastruktur einzurichten.
Zur Schaffung der notwendigen Infrastruktur wurde im Saßnitzer Kreidehafen auf Rügen ab Mitte 1952 mit dem Ausbau eines U-Bootstützpunktes begonnen, u.a. soll eine Fingerpier mit Landanschlüssen entstehen. Bald jedoch wurde ein neues Bauvorhaben für die Aufnahme der späteren U-Boote im Jasmunder Bodden gestartet. Bei dem am Ende der Hauptstützpunkt der zukünftigen DDR-Seestreitkräfte entstehen sollte. Und, das Gelände des Schlosses Dwasieden bei Saßnitz wurde als Standort einer zukünftigen U-Boot-Lehranstalt (ULA) ausgewählt, ab August 1952 erfolgte die Sanierung eines Teils des Schlosses und die Errichtung von mehreren Baracken für Verwaltungs-, Unterkunfts-, Unterrichtsräume.

So wurde dann am 12. Juni 1953 im Rahmen der verfügten Reduzierung des Personalbestandes der Kasernierten Volkspolizei (KVP) mit der nachgeordneten Volkspolizei-See (VP See) als Vorläufer der "Nationalen Volksarmee/ NVA" und "Volksmarine" die vollständige Schließung der damals mit 768 Mann als Sollstärke angegebenen ULA festgelegt. Der in der Literatur manchmal genannte Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR ist also nicht das auslösende Ereignis für das Ende der U-Bootwaffe der DDR, mit einiger Sicherheit hat er aber deren Ende für immer besiegelt. Auch die geplante Übernahme von U-Booten aus der Sowjetunion für die Ausbildung kam nie mehr zustande.
Nun lag der 12. Juni nicht soweit vom 17. Juni entfernt. Bedeutet, die Bauarbeiten liefen noch. Daher konnte die Baustelle auch Streikschwerpunkt sein. Ende der Bauarbeiten sollte der 1.8.53 sein. Denn die Baustelle musste endlich noch eine Schlusssicherung erhalten.

In den Plankennziffern war das U-Bootprojekt in Modifizierungen noch bis in den 60ger Jahren enthalten.

Morgenröte

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RE: U-Bootprojekt der DDR

#14 von Möppel ( gelöscht ) , 05.04.2016 08:53

Geplant war wohl auch ein Gefechtsstand für den Befehlshaber U-Boot-Flotte und der Einsatzleitung.
Mein Vater war damals bei VP-See in der Planungsgruppe. Leider bereits vor vielen Jahren verstorben. Viel erzählt hatte er davon aber nicht. Eben Geheimnisträger.

Aber Küstenbatterien zur Abwehr einer Seeanladung sollten geschaffen werden. Vier in der Anzahl: Arkona, Kolliker Ort, Sellin und Greifswalder Oie.

Möppel

RE: U-Bootprojekt der DDR

#15 von Nick , 05.04.2016 08:56

Einige Details und Bilder gibt es noch hier http://www.u-boot-archiv-altenbruch.de/u-boote_der_ddr.html


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