Mukran Fähren

#1 von Eduard , 04.11.2023 21:47

Mit diesem Buch hat sich der Verlag keinen Gefallen getan. Alleine der Auszug, der auf der Webseite zu lesen war, hat gezeigt, dass im Grunde nur viel Gerüchte um nichts gemacht wurden. Hätte der Autor mal in die Bauzeichnungen der EGF321 geschaut, hätte er schnell festgestellt, was es wirklich mit diesem "geheimen Decks" auf den Fähren zu tun hatte. Auch die Außenhaut war nicht gegen Torpedos verstärkt gewesen. Dazu war das Material gar nicht vorhanden und zum anderen viel zu teuer. Richtig ist lediglich, dass die beiden Eisenbahndecks teils verstärkt waren, um Kettenfahrzeuge (z.B. Panzer) transportieren zu können, ohne gleich das Deck zu beschädigen. Naja, und auch in der reißerischen Wortwahl merkt man schnell, dass hier weniger die Fakten erzählt werden sollten, sondern mal wieder nur eine "schnelle Mark" mit dem Mythos DSR gemacht werden soll, deren "Marktwert" so langsam schwindet. Der Kundenkreis wird halt immer kleiner.
Im Übrigen gingen die Planungen zu dieser Fährlinie bis weit in die 60er hinein. Der wichtigste Grund für diese Planungen waren die Polen, die die Züge nicht immer den Vorrang gaben und Zölle/Durchleitungsgebühren erhoben haben. Im RGW wurde um diese Fährverbindung sehr lange gerungen, bis man Anfang der 80er Jahre dann zunehmend militärische Notwendigkeiten ins Spiel brachte. Auch kein Wort im Text, dass eigentlich auch Polen mit eingebunden werden sollte.
Falsch ist auch, dass der Containerschiffbau in Wismar zugunsten der EGF zurück gefahren wurde. Zum einen gab es den Bau von Containerschiffen zu diesem Zeitpunkt nich gar nicht, es wurden in den 80ern fast nur POLAR/KRISTAL und OBC's gebaut, wie auch die RO-15. Richtig ist, dass für den Bau der EGF die dafür viel zu kleine Kabelkrananlage erweitert bzw. von Grund auf modernisiert werden mußte.
Der Autor hätte mal besser Zeitzeugen der Werft befragen und sich mal die originalen Baupläne anschauen sollen.
Fazit: Schade um das Papier.


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RE: Mukran Fähren

#2 von Eduard , 04.11.2023 21:52

Das ist gemeint:

Geheime Transporte über die Ostsee


Geheime Transporte über die Ostsee
Von Atomwaffen, Geheimdiensten und Bausoldaten im Kalten Krieg

Wolfgang Klietz
Edition Pommern
ISBN 978-3-939680-75-8 (9783939680758)
248 Seiten mit zahlr. Abbildungen
€ 19,95 (D)
Broschur, Größe 24 cm x 17 cm


Die Propaganda sprach blumig von einer “Brücke der Freundschaft zum Lande Lenins”, als am 2. Oktober 1986 das größte Verkehrsprojekt der DDR eröffnet wurde. Ost-Berlin und Moskau hatten gemeinsam unter strengster Geheimhaltung eine der wichtigsten strategischen Verbindungen des Kalten Krieges geplant: Die größten Eisenbahnfähren der Welt verbanden Rügen mit der Sowjetunion im 48-Stunden-Takt.

Wolfgang Klietz, Redakteur beim Hamburger Abendblatt, hat die Geschichte dieser spektakulären Linie über die Ostsee recherchiert und die erste Dokumentation über dieses historische Kapitel der 80er-Jahre geschrieben. Im Jahr 2012 erschien darüber sein erstes Buch „Ostseefähren im Kalten Krieg“. Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um eine umfassend erweiterte und aktualisierte Neuauflage mit vielen neuen Fotos.

Die Schiffe und der Fährhafen in Mukran bei Sassnitz mit seinem Güterbahnhof haben bis 1986 mehr als zwei Milliarden DDR-Mark gekostet. 2000 Menschen arbeiteten auf dem Komplex mit seinen 120 Kilometer langen Gleisanlagen. Für die Arbeiter und ihre Familien wurden auf Rügen neue Häuser mit 1200 Wohnungen gebaut.

Vor allem die sowjetische Seite nutzte die Fähre für Militärgüter und transportierte mit den Schiffen auch Atomwaffen. Erst nach der Wende erfuhr die Öffentlichkeit, dass beim Bau der fünf Fähren auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar unter Deck geheime Truppentransporträume eingerichtet worden waren. Dort gab es Platz für 300 Soldaten.

https://edition-pommern.com/geheime-transporte/


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zuletzt bearbeitet 04.11.2023 | Top

RE: Mukran Fähren

#3 von bitti , 05.11.2023 11:41

Zitat von Eduard im Beitrag #1
Im Übrigen gingen die Planungen zu dieser Fährlinie bis weit in die 60er hinein.


Diese Planungen konnte man sich über viele Jahre in Prora-Museum im Block 3 ansehen. Leider ist das Museum ja nun Geschichte. Damals wurde ein Fährhafen etwas westlich vom Kap Arkona angedacht. Unweit des Örtchen Nonnewitz war der Hafen Mövenort geplant. Später wurde es dann Mukran.


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