Die 2980 Meter lange Drahtseilbahn auf der Krim, die Touristen von Mischor fast auf den Gipfel des Ai Petri, eines 1234 Meter hohen Berges in der Nähe von Jalta, bringt, ist ein technisches Meisterwerk. Ihren Einzug ins Guinness-Buch der Rekorde verdankt sie ihrer oberen Teilstrecke von 1670 Metern ohne jegliche Stützmasten, damals „Europarekord“.
Die Bahn zählt heute zu den sieben Wundern der Gegenwart auf der Krim und ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen der Halbinsel.
Die Projektierungsarbeiten zum Bau der Drahtseilbahn haben 1976 begonnen, in Betrieb genommen wurde sie vor etwa 30 Jahren. Die lange Entwicklungsdauer hat etwas mit der Kompliziertheit der technischen Lösungen unter den gegebenen äußerst schwierigen Geländebedingungen zu tun, da der Berg nicht allmählich ansteigt, sondern steil aufragt.
Die Bahn hat zwei Teilabschnitte. Der untere Teil hat eine Länge von 1310 Metern. Hier gibt es etliche Stützmasten, die das Drahtseil tragen. Am Ende des unteren Teils befindet sich eine Umsteigestation, wo ein Umsteigen von den Gondeln des unteren Teils der Seilbahn in die Gondeln des oberen Teils erfolgt. In dieser Station befindet sich auch die Zentrale der Bahn, der Sitz der Administration sowie die gesamte Antriebstechnik.
Der obere Teil mit einer Länge von 1670 Metern hat keinerlei Stützmasten. Das Seil schwebt auf der gesamten Länge frei in der Luft. Daher wurde die Bahn so konstruiert, dass es hier, wie auch im unteren Teil, nur zwei Gondeln gibt, die in die entgegengesetzte Richtung fahren und sich jeweils genau in der Mitte der Strecke begegnen. Damit wird gewährleistet, dass beide Gondeln zeitgleich ihre jeweilige Endstation erreichen. Hier muss alles auf die Sekunde und den Millimeter genau stimmen. Diese Konstruktion ist darauf zurückzuführen, dass die Bahn im oberen Teil über nur äußerst schwer zugängliches Gelände führt und das Aufstellen von Stützmasten technisch äußerst aufwendig und ökonomisch nicht vertretbar teuer gewesen wäre.
Das Seil hat in unmittelbarer Nähe der Felsen des Ai Petri bis zur Einfahrt in die Station einen Neigungswinkel von 46 Grad. Im letzten Abschnitt bekommt man in der Gondel das Gefühl, mit einem Hubschrauber aufzusteigen. Die gesamte Fahrzeit beträgt etwa 15 Minuten. Die Gondeln nur mit Stehplätzen sind für bis zu 25 Menschen ausgelegt.
Die Seilbahn verkehrt täglich von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Nur jeweils im Frühling gibt es eine Pause von zwei Monaten, um notwendige Wartungsarbeiten und auch Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Sicherheit wird hier groß geschrieben. Jeden Tag wird ab zwei Stunden vor der Aufnahme des Fahrbetriebs die gesamte Technik bis ins Detail gründlich überprüft, um auch die geringsten Defekte auszuschließen.
Lediglich bei sehr windigem Wetter fährt die Seilbahn nicht. Und das nicht etwa, weil ein Versagen der Technik befürchtet wird, sondern weil sich die Passagiere in den durch den Wind heftig schaukelnden Gondeln sicher sehr unwohl fühlen würden. Übrigens ist auch die gelbe Farbe der Gondeln nicht zufällig gewählt. Da der Berg häufig in Wolken und Nebel getaucht ist, soll damit eine bessere Erkennbarkeit der Gondeln gewährleistet werden.
Die Bahn zählt ihrem Typ nach zu den leistungsfähigsten und zuverlässigsten. Solche Seilbahnen werden normalerweise nur in Gegenden mit schwierigem Geländerelief gebaut. Die untere Station befindet sich in einer Höhe von 86 Metern über dem Meeresspiegel, die Umsteigestation in 391 Metern Höhe und die obere Station in 1153 Metern über dem Meeresspiegel.
Im Jahr 2013 musste das tragende Drahtseil trotz seines immer noch guten Zustandes ausgetauscht werden, da seine planmäßige Nutzungsdauer abgelaufen war. Der Austausch war kein leichtes Unterfangen, da der Hersteller des Originalseils, ein ehemals sowjetischer Betrieb, sein Produktionsprofil geändert hatte. Also wurde das neue Seil bei einer österreichischen Firma in Auftrag gegeben. Die noch größere Schwierigkeit war das Austauschen selbst. Denn die sowjetischen Ingenieure, die die Bahn einst konzipiert und aufgebaut hatten, waren nicht mehr aufzufinden. Deshalb musste von null an wieder eine Technologie für das Auswechseln des Drahtseiles unter den äußerst schwierigen Geländebedingungen erarbeitet werden.