Altlasten

#1 von Klaasen , 28.03.2017 20:53

TüP Munster
Hinterlassenschaft 1945: Luftwaffenmunitionsanstalt der Wehrmacht in Oerrel.
Oerrel - einem Ortsteil von Munster - seien chemische Waffen produziert, abgefüllt und gelagert worden.

Nach der Kapitulation 1945 kamen die Briten in die Lüneburger Heide, die Anlage wurde mitsamt den brisanten Munitionsvorräten kampflos übergeben. Die Briten haben die Reste zum großen Teil abtransportiert, darunter wohl auch Munition aus den besetzten Ländern.
Alles, was sie nicht für transportfähig hielten, landete im Teich. Anschließend entsorgte auch der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst dort seine Funde.
Als Anwohner danach fischten, um die wertvollen Metalle zu Geld zu machen, schoben die Behörden 1952 einen Riegel vor. Man hat den Teich mit Bunkerschrott gesichert - sprich: Man hat ihn zugekippt.

Ein Luftbild von 1946 zeigt ein kreisrundes Gewässer (See) von rund 60 Metern Durchmesser. Ein Hauptproblem der Behörden ist jetzt: Sie wissen nicht genau was drin ist.
Möglich ist : Darunter befinden sich so gefährliche Substanzen wie der Hautkampfstoff Lost und Phosgen, das unter anderem die Lunge zerstört.

Nur wenige Kilometer weiter nördlich gibt es ein weiteres gewaltiges Problem mit militärischen Altlasten. Dort wurden am früheren Gasplatz Breloh - ebenfalls ein Ortsteil von Munster - schon im Ersten Weltkrieg chemische Waffen wie Giftgas produziert. Bei einer Explosion wurden 1919 weite Bereiche verseucht. Wir haben dort einen massiven Grundwasserschaden, der Schaden wird seit 1999 durch den Bund saniert.

Am Ort der Katastrophe von 1919 stehen die Anlagen der "Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten". Die bundeseigene Geka ist das derzeit einzige deutsche Unternehmen mit der Berechtigung zur systematischen Vernichtung von Chemiewaffen. Sie reinigt jedes Jahr rund 5.000 Tonnen des kontaminierten Erdbodens und entsorgt auch andere Altlasten aus dem Bundesgebiet, eine Mammutaufgabe.

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RE: Altlasten

#2 von Oldtimer , 06.03.2026 14:30

Neugablonz und sein "Trümmergelände"
Ein Stadtteil von Kaufbeuren


Es hat etwas Surreales. Nur wenige Meter entfernt von einem modernen Discounterbau liegt im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz ein Gelände, das seit 1945 nicht mehr verändert worden ist, eine kleine Wildnis mitten in der Stadt.

US-Soldaten sprengten damals Bunkergebäude der ehemaligen Sprengstofffabrik Dynamit AG. Das Waldgelände war über drei Quadratkilometer groß. Darauf geschickt verteilt und getarnt, gut 200 Gebäude, von denen viele durch meterdicken Stahlbeton geschützt und mit grüner Farbe und Pflanzen getarnt waren.

Und zwar so gut geschützt, dass die Amerikaner von der explosiven Fabrik angeblich nichts wussten und bei der Befreiung Kaufbeurens glatt daran vorbeigefahren sein sollen. Später sprengten sie mehr als 80 Gebäude.

Auf den Trümmern ist dann das heutige Neugablonz entstanden. Wie durch ein Wunder ist aber ein kleines wildes Areal bis heute erhalten, teils von außen sichtbar. Das große Turbinenhaus ist sogar von außen betretbar, wovon unzählige Graffitis Zeugnis ablegen. Hinter der massiven Einzäunung hat sich ein regelrechter Urwald gebildet. Die Natur hat über die Jahrzehnte die Herrschaft über die Überbleibsel der Nazi-Herrschaft übernommen, es grünt und wuchert wohin man schaut.

Allerdings tauchen hinter hohen Sträuchern unvermittelt riesige Betonsäulen auf. Auf der brüchigen Treppe geht es noch gut zehn Meter nach oben, dann wird der Blick auf die Reste des Kesselhauses frei. Es ist eine Anlage, wie sie einst auch in Waldkraiburg oder Geretsried stand. Nur hier aber, auf dem "Trümmergelände" Neugablonz, sind die Ruinen noch so unberührt seit Jahrzehnten erhalten.

Dass das rund zwei Hektar große Areal nicht schon früher platt gemacht und als Baugebiet genutzt wurde, liegt auch daran, dass es lange in Bundeseigentum war.
Mit dem Fall der Mauer 1989 schwand auch das Interesse der Bundeswehr an dem Gelände und die Stadt Kaufbeuren konnte das Areal später "recht günstig übernehmen". Ein Teil des Geländes wurde zum Freizeitpark ausgebaut, der Rest musste eingezäunt werden und bleibt als "Urwald mitten in der Stadt" erhalten.


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