2022
Milliarden-Deal: Deutsche Telekom kurz vor Verkauf der Funkturm-Sparte
Kaum ein Netzbetreiber in Europa hat noch so viele eigene Standorte für Antennen wie die Deutsche Telekom. Nach Handelsblatt-Informationen steht das Geschäft kurz vor dem Verkauf.
Die Deutschen Telekom ist Finanzkreisen zufolge in finalen Verhandlungen zum Verkauf eines Mehrheitsanteils an ihrem Funkturm-Geschäft.
Ein Konsortium der Investoren KKR, Stonepeak und GIP sei derzeit der letzte verbliebene Bieter, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montagabend sagten. Europas Marktführer für Mobilfunkinfrastruktur, Cellnex aus Spanien, sieht sich demnach vorerst aus dem Rennen.
Das Funkturm-Portfolio der Deutschen Telekom – eines der größten in Europa – zählt über 33.000 Standorte und wird von Branchenkennern auf rund 18 Milliarden Euro taxiert. Vodafones Tochter Vantage Towers hatte ursprünglich auch Interesse gezeigt. Nicht zuletzt wegen der schwierigen kartellrechtlichen Situation wurden ihr jedoch kaum Chancen zugesprochen.
Das Cellnex-Team hatte der Deutschen Telekom offenbar angeboten, sich zunächst mit zehn, später mit 20 Prozent am eigenen Unternehmen zu beteiligen. Das KKR-Konsortium hingegen habe dem Konzern eine Rückkauf-Option eingeräumt, hieß es. Finanziell soll das KKR-Angebot dem von Cellnex überlegen gewesen sein.
Eine Übernahme der Telekom-Türme würde die Führungsposition des Konzerns in Europa sichern. Die dadurch folgenden Größenvorteile wären für Konkurrenten kaum einzuholen.
Auch die Telekom würde von einer Industriepartnerschaft profitieren. Während etwa Vantage Towers zuletzt mit Problemen kämpfte, gelten die Spanier von Cellnex in der Branche als solide und verlässlich. Seit einer Zusammenarbeit zwischen Telekom und Cellnex im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens in den Niederlanden kennen und schätzen sich beide Unternehmen.
Die Funktürme, an denen Mobilfunkanbieter ihre Antennen montieren, waren wegen ihrer stabilen Erträge unter Infrastrukturinvestoren zuletzt besonders beliebt. Es sind planbare Einnahmequellen: Vodafone und andere Netzanbieter schließen in der Regel langfristige Mietverträge mit den Turmgesellschaften ab.
Europas Telekomkonzerne haben ursprünglich jeweils unabhängig voneinander eigene Turm-Portfolios betrieben. Mittlerweile geht die Branche jedoch dazu über, Antennen- und Turmnetz voneinander zu trennen.


