Der heimliche Kollaps: Wie globale Ölkrisen die DDR-Wirtschaft im Verborgenen ruinierten
Während westliche Autofahrer in den 1970er Jahren die massiven Preisexplosionen der globalen Ölkrisen direkt und schmerzhaft an der Zapfsäule zu spüren bekamen , schienen die Preise in der DDR wundersam unberührt. Dies war jedoch eine teuer erkaufte Illusion. Die rohstoffarme DDR war bei der Erdölversorgung fast vollständig auf Importe aus der UdSSR angewiesen. Die Verrechnung innerhalb des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) dämpfte den Weltmarkt-Schock zunächst durch das mathematische Prinzip der gleitenden Fünfjahresdurchschnitte.
Doch das Erwachen war hart: Bereits 1975 diktierte Moskau drastische Preisanpassungen, wodurch der Verrechnungspreis für Erdöl schlagartig um über 130 Prozent anstieg. Da die SED-Führung aus Angst vor sozialen Unruhen den Benzinpreis für private Verbraucher unverändert bei 1,50 Mark beibehielt , musste der DDR-Staatshaushalt die explodierenden Importkosten völlig heimlich selbst absorbieren. Die ehemals lukrative Abgabe auf Kraftstoffe brach in sich zusammen.
Die prekäre Lage eskalierte 1983 vollends, als die Sowjetunion ihre zugesagten Erdöllieferungen aus eigenen finanziellen Nöten drastisch senkte. Die ostdeutsche Führung hatte den ökonomischen Kollaps direkt vor Augen, welcher letztlich nur durch einen umstrittenen Milliardenkredit des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im allerletzten Moment hinausgezögert werden konnte.