Funkhaus Grünau

#1 von Amtsberg , 11.08.2025 23:33

Ein Beitrag des RBB vom Sonntag brachte mich auf das ehemalige Funkhaus Grünau in der Regattastr. 277 in Berlin. Anstoß zum TV-Beitrag war diese Liegenschaft als Spekulationsobjekt.
Denn Eigentümer, eine Hamburger Immobiliengesellschaft, die weder telefonisch noch postalisch erreichbar oder besuchbar ist, macht mit dem denkmalgeschützten Gebäude nichts und der Verfall wird sichtbar. Für 650000 Euro einst ersteigert- inzwischen durch die direkte Wasserlage Mio Wert.


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RE: Funkhaus Grünau

#2 von Amtsberg , 11.08.2025 23:37

1929/30 als Sporthaus/Bootshaus von der Danatbank erbaut, fanden 1936 direkt vor dem Ufer die Olympischen Wettkämpfe im Wassersport unter den Nationalsozialisten statt, die das Haus wenige Jahre später ab 1940 als Reserve-Lazarett im Zweiten Weltkrieg nutzten. Der Krieg ging auch an dem Haus nicht spurlos vorüber, es wurde teilweise beschädigt.
Schon 1934 wechselte das Gebäude erstmals seinen Besitzer. Eigentümer wurde die Dresdner Bank, die die Immobilie als Sport- und Erholungsheim nutzte.


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RE: Funkhaus Grünau

#3 von Amtsberg , 11.08.2025 23:38

Berliner Rundfunk und andere

Auf Befehl der SMAD wurden die Bootshäuser der Dresdner Bank (Regattastraße 277) und der Allianz (Nachbargrundstück Regattastraße 267) 1946 von der Zentralverwaltung für Post- und Fernmeldewesen der Sowjetischen Besatzungszone beschlagnahmt.
Errichtet werden sollte hier eine Drahtfunk-Sendeanlage.
Im September 1946 gründete die SMAD dort eine Redaktion des Berliner Rundfunks der SMAD, um den alten Berliner Rundfunk, der noch aus dem Haus des Rundfunks in der Masurenallee sendete, mit Beiträgen von Grünau aus zu versorgen.
Der Umbau der beiden Bootshäuser für die Verwendung als Rundfunkstudio in Ost-Berlin war am 1. Mai 1947 abgeschlossen.
Neben Beiträgen für den Berliner Rundfunk wurden nun hier auch Beiträge für die Sender Leipzig, Dresden, Schwerin, Magdeburg und Weimar produziert, die selbst noch keine ausreichenden Möglichkeiten dafür besaßen. Auch Hörspiele wurden hier produziert, obwohl die Schalldämmung der Räume zum Umfeld ungenügend war und bei Vorbeifahrt der Straßenbahnen die Aufnahmen auch unterbrochen werden musste.

Der aus der Masurenallee in West-Berlin sendende sowjetisch kontrollierte Berliner Rundfunk wurde schon bald von den Westalliierten stark behindert und später blockiert. In dieser zugespitzten Situation wurde das Rundfunkstudio Grünau am 17. Mai 1948 von der SMAD an die Deutsche Verwaltung für Volksbildung übergeben. Die ihr formal unterstehende Generalintendanz des Demokratischen Rundfunks übernahm das Areal und nannte es fortan Funkhaus Grünau.
Das Funkhaus Grünau nahm nun eine wichtige Funktion als Ausweichfunkhaus ein, um den sich häufenden Störungen des Betriebes in der Masurenallee begegnen zu können. Bis zur Fertigstellung der Sendestudios im neuen Funkhaus Nalepastraße im Jahr 1952 und dem damit verbundenen vollständigen Umzug aus der Masurenallee nach Ost-Berlin wurde das Funkhaus Grünau als vorübergehende Sendezentrale für besondere politische und kulturelle Ereignisse genutzt.
Nach 1952 verblieben nur einige Redaktionen in Grünau. Deren Umzug in die Nalepastraße erfolgte nach Fertigstellung des Musik- und Hörspielkomplexes im Jahr 1956.

1950 wurde eine Rundfunkschule für angehende journalistische Mitarbeiter gegründet, die bis 1963 bestand. Im September 1959 entstand hier die Zentrale Ausbildungsstätte der Studiotechnik Rundfunk, eine Gliederung der Deutschen Post. Jährlich wurden mehr als 20 Lehrlinge zu technischen Mitarbeitern, sogenannten Studioassistenten bzw. später Facharbeitern für Nachrichtentechnik, für den Sende- und Produktionsbetrieb des Hörfunks ausgebildet. Erwachsenenqualifizierungen und Weiterbildungen rundeten das Profil dieser Rundfunkschule ab.
Die Ausbildungsstätte bestand bis Ende 1991.

Mitte der 1960er Jahre zog die Unterhaltungsredaktion des Deutschen Fernsehfunks in die oberen Etagen des Funkhauses Grünau ein.
Der ehemalige Sendesaal im Obergeschoss diente dem Deutschen Fernsehballett als Probenraum. Diese Nutzung ging ebenfalls mit der Auflösung des Deutschen Fernsehfunks 1991 zu Ende.


 
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