geteilter Bahnhof

#1 von Delta , 09.03.2022 16:27

Ein seltenes Phänomen zeigte der MDR heute Abend. Ein Bahnhof, durch den quer die deutsch-tschechische Staatsgrenze verläuft.
Eine Hälfte des Bahnsteigs ist deutsches und eine Hälfte tschechisches Gebiet.
Daher:
Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein / Železná Ruda-Alžbětín ist ein Grenzbahnhof zwischen Deutschland und Tschechien.

Der Bahnhof verbindet die von der Bayerischen Ostbahn 1874 begonnene und von den Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen vollendete Bayerische Waldbahn Plattling–Bayerisch Eisenstein und die von der Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) erbaute Bahnstrecke Pilsen–Markt Eisenstein (heute: Železná Ruda). Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft quer durch die Gleisanlagen und das Empfangsgebäude. So hat der Bahnhof zwei Postanschriften: Bahnhofstraße 54, Bayerisch Eisenstein und Debrník 30, Železná Ruda.

Die Gleisanlage des Bahnhofs hat drei Teile:

- Im Westen befindet sich das ehemalige Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe, das dem Bayerischen Localbahnverein als Museum dient.
- Neben dem Empfangsgebäude befinden sich die Bahnsteige des Personenbahnhofs.
Auf deutscher Seite wird lediglich noch Gleis 2 angefahren und auch für grenzüberschreitende Züge genutzt.
Auf tschechischer Seite sind Bahnsteige 3 und 5 in Betrieb. Gleis 4 dient als Lokumfahrgleis für tschechische Züge. Dieses Rangiermanöver wird grenzüberschreitend durchgeführt.
Gleis 1 am Hausbahnsteig ist außer Betrieb.
- Im Osten des Bahnhofs befinden sich Holzverladegleise.

Der Grenzübergang wurde am 2. Juni 1991 wieder für den Schienenverkehr geöffnet. Seither verkehrten die Züge der České dráhy (ČD) nach Klatovy (Klattau) und Pilsen (Pilsen). Auf deutscher Seite fahren die Züge der Regentalbahn unter dem Namen Waldbahn von Plattling über Regen und Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein. Für Rangierfahrten nutzen beide Bahngesellschaften die Gleisanlagen ohne Rücksicht auf den Verlauf der Grenze. Im Jahr 2006 kaufte der Naturpark Bayerischer Wald den deutschen Gebäudeteil.

Nachdem die Signalanlagen des Bahnhofs für den grenzüberschreitenden Verkehr vorbereitet wurden, fahren seit 28. Mai 2006 Waldbahn-Regio-Shuttle bis in das sieben Kilometer entfernte Špičák (Spitzberg). Dort besteht Anschluss nach Pilsen. Dies ist der erste fahrplanmäßige grenzüberschreitende Verkehr auf der Strecke seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1877. Das Tarifangebot Bayerwald-Ticket wurde auf diesen Fahrten bis nach Špičák erweitert.
Der deutsche Bahnhofsteil wurde vom Frühjahr 2010 bis Mitte 2011 für insgesamt 5,14 Millionen Euro grundlegend saniert. Der offizielle Spatenstich erfolgte nach Baubeginn am 10. November 2010. Seit der Sanierung beherbergt er eine Ausstellung über Bahn und Natur. Der tschechische Bahnhofsteil befindet sich im Besitz des tschechischen Schienennetzbetreibers SŽDC, die Außensanierung des Gebäudes auf tschechischer Seite wurde im Jahr 2018 beendet. Im Jahr 2019 wird der Bahnhof innen saniert.

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein ist ein Grenztarifpunkt.


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